Nun sind es schon fünf Jahre seit der 1st International Queer Buddhist Conference!
2021 fand die erste Konferenz statt. Die Idee, Gründung und Organisation fand viel früher statt.
Seit Jahren hatte ich bemerkt, dass ich als queere Person, auch in buddhistischen Events, nicht erwünscht war, und dass meine queeren buddhistischen und andere queere „Siblings“ oder Geschwister dies international auch erleben. Mehr als zwei Jahre vor der 1st IQBC gründete ich die IQBC und mailte an eventuelle Mitstreiter*innen, die einen Vortrag halten könnten. Dies sollte in kleinem Rahmen stattfinden, als Initialzündung für größere Events. Die Konferenz plante ich in meinem Garten mit einem großen Zelt, das ich auch beruflich für Events nutze. Nachbar*innen willigten ein, Gästezimmer zur Verfügung zu stellen.
Dann kam die Pandemie.
Flüge wurden gestrichen. Drei Personen unterstützten mich nun, vor allem meine Webmasterin, die meine Websites kreiert. Sie, eine Ally, unterstützt mich nach wie vor. Von ihr kam die Idee, die Konferenz online anzubieten. 2021 fand mit vier Keynotespeaker*innen die erste zweitägige Konferenz im Herbst und damit in den Herbstferien statt. Schließlich organisiere ich die Events zusätzlich zu meiner beruflichen Tätigkeit.
Jedoch war der Wunsch der Teilnehmenden, diese weltweiten Treffen regelmäßig abzuhalten.
Daher entschied ich, die nun dreitätigen IQBCs jährlich online anzubieten. Um international in Verbindung zu bleiben, gründete ich zusätzlich die monatlichen Events, zum einen 2022 die „Conscious Connections“ mit dem Fokus auf Kunst und Meditation und ab 2025 die „Queer Nerdy Mindful Connections“ mit queeren und nerdigen Themen zu Science-Fiction, Astrophysik, Theorien zum Multiversum und die mit dem Leben von queeren und buddhistischen wie nichtbuddhistischen Personen zu tun haben.
Außerdem gibt es eine wöchentliche Peergroup für TGNCNBI-Personen1, die ich online moderiere, und eine Intersexgruppe im sogenannten „echten Leben“. Alle Events richten sich an Buddhist*innen und Nichtbuddhist*innen. Die beiden letztgenannten Gruppen sind nur für Personen, die sich mit Intersexualität und TGNCNBI identifizieren.
So bin ich nun seit 2021 täglich mit der Organisation und der Beantwortung von E-Mails, Messages und den sozialen Netzwerken über alle Zeitzonen beschäftigt. Diese tägliche zusätzliche zeit- und nervenaufreibende Arbeit ist für andere nicht zumutbar. Zum Beispiel wird der Hass in den sozialen Netzwerken weltweit immer größer, und ich werde nicht nur dort, sondern auch immer wieder telefonisch bedroht.
Hinzu kommt, dass ich inzwischen auch physische Gewalt erlebte. Diejenigen, die als Volunteers vielleicht einen Vortrag oder etwas anderes vorbereiteten, treten von einer Unterstützung zurück, manche klar, manche sind nicht mehr erreichbar. Wie gesagt, verständlich, aber schwierig.
Zuerst waren die Konferenzen nur auf Zoom, doch durch das Engagement einer langjährigen Freundin und aufgrund ihrer Kreation eines Safe Space auf gather.town war es bis letztes Jahr möglich, künstlerische Beiträge u. v. m. dort anzubieten. 2025 musste ich aus Kostengründen von diesem Projekt Abstand nehmen.
Da ich kein internationaler Verein bin, sondern dies ein Zusammentreffen von Menschen ist, die sich für dieselbe Sache engagieren durch Vorträge, Workshops etc., hängt IQBC an meinem eigenen kleinen Geld, das ich für Zoom etc. zahle. Ab und zu gibt es Dana, doch wie gesagt, der extra Space in gather.town zum Beispiel konnte nicht finanziert werden.
Wie schon angedeutet, nimmt nicht nur der Hass weltweit zu durch den Rechtspopulismus und die Gewalt gegen marginalisierte Gruppen: Dieses Jahr z. B. wurden nicht nur direkte E-Mails mit dem Link für die Konferenz geblockt, sondern auch das Versenden des Links durch die Anmeldeplattform.
Andererseits erhalte ich E-Mails von Menschen, die z. B. In USA verfolgt werden und Adressen queerfreundlicher Länder suchen oder nach Unterstützung auf der sogenannten Rainbow Railroad: Sie entsteht seit einiger Zeit entsprechend der Railroad, die während der Zeit der Sklav*innen in den USA von ihnen genutzt wurde, um aus der Sklaverei zu fliehen. Es handelt sich dabei um Safe Spaces, um vertrauenswürdige Personen oder Orte, wo Menschen sicher sind etc., um aus dem Land vor der Verfolgung zu fliehen.
Viele Menschen haben inzwischen weltweit große Angst, Gesicht zu zeigen, und schreiben mir, dass sie lieber nach der Konferenz die Videos anschauen. Doch ich finde, wir müssen der Angst, der Gewalt und dem Hass entgegentreten. Faschismus darf nie wieder geschehen! Nirgendwo.
Dr. Jampa Wurst, https://iqbc.org
1 Trans/Gender non conforming/Non binary/Intersex
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