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Über den heutigen Sommer können wir uns wohl kaum beklagen, wenn es um das Sommergefühl geht. Doch schätzen wir die Jahreszeiten noch oder bejammern wir eher das jeweils Negative an jedem von ihnen?

Ich vertrage die Hitze nur ganz schlecht, und jedes Mal, wenn ich von einer bevorstehenden Hitzewelle erfahre, bunkere ich mich schon prophylaktisch hinter geschlossenen Jalousien ein. Der Sommer ist in keinster Weise meine Lieblingsjahreszeit, eben genau deshalb. Man kann sich im Winter vieles anziehen, um sich warm zu halten, doch im Sommer findet das Ausziehen ein natürliches Ende, das man auch nicht jedem und jeder zumuten mag. Deshalb ist mir – bei aller Abneigung gegen die Kälte – der Winter doch noch lieber als die über 30 Grad, denen wir heuer ausgesetzt sind.

Auch der Garten leidet unter der Trockenheit, wie eben auch die Felder und Wiesen, die Bäche und Flüsse. Schifffahrten dort sind kaum mehr möglich, die Wasserkraft hierzulande stößt auch an ihre Grenzen. Dass in Frankreich und Spanien 300.000 Menschen auf der Flucht vor den Bränden sind, ist eine andere Facette dieses Sommers, der bereits jetzt fünf Grad heißer ist als wir es kannten. Ja, das ist dem Klimawandel geschuldet, wie es auch der Sommer 2025 war, an dem ich ebenfalls verzweifelt bin, weil ich mehr in der Winterabteilung meines Kleiderschrankes herumgekruscht bin als in der Sommerkleider-Sektion.

Und trotzdem denke ich mir: Kann ich nicht einfach annehmen, was mir eben von oben gegeben ist?

Mein Mann kannte in den vergangenen 26 Jahren nur anderthalb Jahreszeiten, denn in Südafrika sind die Temperaturen eben eher gleichmäßig verteilt. Es gibt zwar Monate, in denen der Wind stärker bläst, in denen es auch einmal sintflutartig regnet, aber das in halbwegs angenehmer Wärme. Seine Fußbodenheizung blieb über Jahre ungenutzt, weil es eben das Kaminfeuer hin und wieder auch tat. Als er nach Österreich übersiedelt ist, hatte er es plötzlich mit Jahreszeiten zu tun, was den Gärtner in ihm anfangs sehr verwirrt hat.

Denn daran, dass man nicht das ganze Jahr Tomaten anpflanzen kann, muss man sich erst einmal gewöhnen. Dadurch habe auch ich ein neues Bewusstsein für unsere Wetter-Normalität bekommen, sie irgendwie auch schätzen gelernt. Trotzdem beklage ich mich und sie – das sollte aufhören.

Im Grunde braucht der Mensch diese Jahreszeiten, weil sie ihm einen Lebenstakt vorgeben.

Der Winter ist dafür da, sich einzumümmeln, Kraft zu sammeln, Pläne zu machen. Er kühlt unser System genauso runter wie die Natur, in der sich mehr tut, als es oberflächlich den Anschein hat. Und wenn wir an einen strahlend-schönen Wintertag denken, an dem sich die Sonne in den Schneekristallen bricht, muss man sich eingestehen, dass es kaum etwas Zauberhafteres gibt. Das Knirschen der Schuhsohlen auf winterlichen Wegen, der kuschelige Schal um den Hals, das Abschließen eines Jahres und die Neugierde auf das neue – all das sind Merkmale einer Jahreszeit, die es nicht überall auf dieser Welt gibt.

Meine Stieftochter beispielsweise hat noch nie Schnee gesehen. Das kann ich mir persönlich gar nicht vorstellen, auch wenn es in den vergangenen Jahren gefühlsmäßig auch immer weniger davon gegeben hat.

Und genau das macht ihn besonders.

Wenn der hellblaue Himmel dann an Farbe und die Sonne an Kraft gewinnt, spüre ich den Auftrieb mit dem Austrieb in der Natur. Tiere erwachen aus dem Winterschlaf, die natürliche Vitamin-D-Quelle versorgt uns mit der Energie, die wir für das Jahr und unsere Pläne brauchen. Die Gärtnerin in mir zieht es ins Gartencenter und ins Glashaus, um vorzubereiten, was im Sommer Freude schenken wird – wenn es die Schnecken zulassen.

Und dann kommt das, was wir gerade haben: die Hitze.

Jene Tage, die uns im Überfluss baden lassen, uns aufheizen für den Herbst und Winter, uns Obst und Gemüse, laue Nächte und die Sehnsucht nach dem Süden schenken, ob er schon längst zu uns gekommen ist. Ich fahre schon lange nicht mehr im Sommer in den Urlaub, denn vor meiner Haustür habe ich alles, was ich brauche: Seen und Schluchten, Natur und Kultur.

Wenn ich über die Hitze klage, vergesse ich meistens, wie sehr ich es genieße, einen Großteil meiner Tage im Freien verbringen zu können. Bis zum Schlafengehen draußen sitzen zu können. Gleich nach dem Aufstehen im Garten zu schreiben und zu lesen. Eine Gartendusche kühlt schnell ab, dank meiner Nachbarn kann ich sogar mehrere Längen in deren Swimmingpool schwimmen, wenn es nötig ist. Dann dem Wasser auf der Haut beim Trocknen zuzusehen, ist eine wunderbare Achtsamkeitsübung, bevor es mit den Aktivitäten des Tages weitergeht.

Und dann kommt der Tag, an dem der Himmel wieder durchsichtiger wird. Wo es vielleicht den einen oder anderen Sturm mehr gibt als gewöhnlich, wo uns plötzlich das erste rote Blatt vor die Füße weht. Dann sind wir im Herbst angekommen, der unsere Tage deutlich zu verkürzen beginnt, in denen er uns angenehme Temperaturen schenkt. Die Sommerkleider werden mit Jacken und Schals gepimpt, obwohl uns die Wärme noch in den Knochen steckt. Die Luft wird sanfter, das Wandern macht wieder mehr Spaß und das Leben bereitet sich auf die Einkehr vor.

Herbst und Frühling sind meine Lieblingsjahreszeiten, weil ich eine Freundin von Übergängen bin. Sie machen mir bewusst, dass nichts bleibt, wie es ist. Dass Veränderung aber gleichzeitig immer auch ein Anfang ist. Dass auf diese Weise stets der Anfängergeist in uns wach bleibt und uns auffordert, neue Wege zu gehen.

Und genau deshalb mag ich unsere Jahreszeiten, auch wenn ich mir im Winter oft wünsche, die kalten Tage im Süden verkürzen zu können. Doch dabei wird es bleiben, beim Wünschen. Denn ich brauche alles genauso, wie es ist.


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Bilder © Pixabay

 

 

 

Claudia Dabringer

Claudia Dabringer

  Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg mit allem, was zu einer Studentenzeit dazugehört. Mehrjährige Konzentration aufs Radiomachen, bis alles durchexerziert war und das Schreiben wieder im Kopf präsent wurde. Seitdem freie Journalistin, Autorin und Vortragende sowie als Sc...
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