In stressigen Zeiten innezuhalten – das wäre hilfreich. Doch oft schaffen wir das ohne Hilfe nicht. Das Moonbird soll hier unterstützen. Es stehen verschiedene Techniken zur Entspannung zur Auswahl. U\W hat das Gerät getestet.
Moonbird ist ein kleines Gerät, das zu einem langsameren und bewussteren Atmen verhelfen soll. Dadurch sollen Stress abgebaut, die Schlafqualität verbessert und Ängste verringert werden.
Auf den ersten Blick macht das Device einen guten Eindruck. Es ist organisch geformt und liegt bequem in der Hand. Die Oberfläche fühlt sich angenehm an. Eine kleine Mulde mit einem Sensor ist für den Daumen vorgesehen und kann die Herzfrequenz ermitteln.
Moonbird ist ein kleines Device, das zu einem langsameren und bewussteren Atmen verhelfen soll. Dadurch werde Stress abgebaut, die Schlafqualität verbessert und Ängste verringert, so der Hersteller.
In der beigelegten Schnellanleitung lese ich, dass man das Gerät leicht schütteln soll, um es „aufzuwecken“.
Dann blinkt an der Daumenmulde ein kleines Licht. Ich lege den Daumen hinein. Das Moonbird summt leise. Die Seiten des Geräts dehnen sich langsam aus. Das erinnert mich an einen kleinen Vogel, der sein Gefieder aufplustert, oder an Lungenflügel, die beim Einatmen und Ausatmen voller und wieder kleiner werden. Entfernt man den Daumen aus der Mulde, stoppt die Bewegung.
Die Moonbird-App zur Steuerung des Geräts lässt sich sowohl auf einem Android-Handy als auch auf einem iPhone installieren. Moonbird und Smartphone sind schnell gekoppelt. Dafür muss lediglich Bluetooth aktiviert sein. Die Startseite der App lädt ein, eine Übung auszuwählen, etwa „Ausgewogene Atemübung“, „Einschlafen“, „Box Breathing“, „Angstzustände abbauen“, „Stell deinen eigenen Atemrhythmus ein“ oder „Dein persönlicher Rhythmus“,
Ich wähle „Box Breathing“.
Die Übung besteht darin, jeweils vier Sekunden einzuatmen, innezuhalten, auszuatmen und noch einmal innezuhalten. Ich kenne diese Übung bereits: Ich finde es im Alltag hilfreich, kurz innezuhalten und Atmung und Körper zu spüren. Die Standarddauer für diese Übung ist in der App mit zwei Minuten voreingestellt. Mit dem Klick auf „Übung beginnen“ geht es los.
Doch bevor die eigentliche Übung beginnt, soll ich eingeben, wie es mir gerade geht.
Es stehen unter anderem zur Auswahl: „vertrauensvoll“, „besorgt“, „neutral“, „entspannt“ oder auch „aufgeregt“. Wen der Check-up nervt, kann auf „Überspringen“ klicken. Es gibt auch die Möglichkeit, ihn dauerhaft abzuschalten.
Eine angenehme Frauenstimme leitet dazu an, bei der Ausdehnung des Moonbirds einzuatmen und beim Zusammenziehen auszuatmen. Ich merke, wie sich Entspannung und Ruhe ausbreiten. Wohltuend.
Etwas störend ist, dass das Gerät für meine kleinen Hände zu groß ist. Wenn ich den Daumen auf den Sensor lege, kommen meine Finger nicht ganz herum. Deshalb kann ich die Ausdehnung lediglich an einer Seite spüren, und die Handhaltung wird mit der Zeit anstrengend.
Nach den zwei Minuten endet die Übung, und die App blendet eine Auswertung von Herzrhythmus, Herzfrequenzvariabilität und Herzkohärenz ein. Die einzelnen Kenngrößen werden in der App genau erläutert.
Herzkohärenz zeigt zum Beispiel an, wie synchron Herzschlag und Atmung sind.
Bei meiner Übung war ich anfangs im roten Bereich, ab der zweiten Minute war es ausgeglichener. Ob sich mit steigender Übungsdauer noch etwas verändert?
Die App bietet eine Statistiksektion, doch die verfügbaren Auswertungen halte ich für unzureichend. Es gibt lediglich Durchschnittswerte für die Übungsdauer, aber keine für andere Messwerte. Dadurch fehlen wichtige Informationen über meinen Fortschritt. Ich will erkennen können, ob sich mit zunehmender Übung tatsächlich Veränderungen zeigen.
Unter dem Menüpunkt „Anleitung“ verbergen sich weitere interessante Funktionen der App. Allerdings ist die deutsche Übersetzung der Begriffe oft nicht korrekt. Unter „21-Tage-Reis“ ist keine Diät zu finden, sondern Videos und Wissenshäppchen, wie man den Moonbird am besten verwendet. Dazu gibt es Erklärungen, was der Vagusnerv ist, das parasympathische Nervensystem oder was unter Stressresistenz zu verstehen ist.
Mir gefällt die Idee, diese Informationen aufzuteilen und jeden Tag ein kleines Video zu schauen oder einen Artikel zu lesen. Obwohl die deutsche Übersetzung überarbeitungsbedürftig ist, bietet die App eine beeindruckende inhaltliche Qualität und eine Fülle fundierter Informationen zu den Themen Schlaf, Angst und Stress.
Allerdings ist die App nicht separat verwendbar, sondern nur mit verbundenem Moonbird. Will man unterwegs in der App lesen oder sich ein Video ansehen, muss das Device also immer in der Handtasche mit herumgetragen werden.
Nach rund sechs Wochen Nutzung habe ich vor allem seine zuverlässige, geräuschlose Unterstützung beim Wiedereinschlafen schätzen gelernt.
Es wäre gut, wenn das Moonbird in mehreren Größen erhältlich wäre. Der Preis von 179 Euro erscheint mir eher hoch.
Insgesamt könnte das Gerät robuster sein. Es ist mir bei der Verwendung im Halbschlaf kaputtgegangen. Ob es repariert werden kann oder nur die Möglichkeit besteht, es auszutauschen, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Ich vermute aber, nur Letzteres ist möglich.
Mein Fazit: Ich finde die Idee hinter dem Moonbird sehr gut. Aber da es nach bereits drei Monaten kaputtgegangen ist, bin ich eher enttäuscht.
Dieser Artikel erschien in der Ursache\Wirkung №. 128: „Verbundenheit"
Foto © Christine Smeyers
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