Sexualität kann wunderschön sein und glücklich machen. Dann gibt es auch eine Sexualität, die ein problematisches Ausmaß erreichen kann – wie etwa eine Sex oder Pornosucht. Dabei lässt sich nicht immer klar sagen, ab wann eine Sucht vorliegt. Der Übergang zur Abhängigkeit passiert meist schleichend, wie folgende Geschichte zeigt.
Ein Klient – nennen wir ihn Markus – konnte sein Verlangen nicht mehr kontrollieren. Sein Pornokonsum nahm täglich viel Zeit ein. Seine Frau bemerkte das. Doch Markus beschönigte die Situation mit Ausreden. Dann bekam Markus wegen der Sucht Probleme bei der Arbeit, weil er dort viele Fehler machte. Der Chef drohte mit der Kündigung. Die Frau bestand nun darauf, dass Markus Psychotherapie in Anspruch nimmt.
Die Therapie begann mit der Motivationsphase. Denn eine Therapie ist nur dann erfolgreich, wenn die Betroffenen motiviert sind und mitmachen möchten. Anschließend arbeitete der Therapeut mit Markus an einem Entzugsprogramm.
Hier ging es darum, Momente zu identifizieren, die den Drang zur Sucht auslösen – wie Stress bei der Arbeit oder Langeweile.
Danach besprach der Therapeut mit Markus Alternativen zum Suchtverhalten. Dabei wurden auch Übungen wie Gedankenstopps eingesetzt. Ein wichtiges Element in der Therapie war für Markus die Selbstfürsorge.
Denn Menschen mit einer Suchterkrankung gehen meist nicht gut mit sich selbst um.
Neben dem Entzug wurden auch die hinter der Sucht liegenden Probleme aufgearbeitet. Häufig wird die Sucht dazu verwendet, um unangenehme Gefühle zu betäuben. Dazu gehören beispielsweise Ängste, Einsamkeit, Scham, Depressionen, Enttäuschungen und Selbstunsicherheit. Statt sich da mit auseinanderzusetzen, weichen Betroffene aus. Das kann aber auf Dauer nicht funktionieren.
Bei Markus war es so, dass ihm Pornos geholfen haben, aus dem grauen Alltag in eine sexuelle Traumwelt zu entfliehen.
Doch die sexuelle Stimulation und die Befriedigung wurden zur Sucht. Je mehr und intensiver er sich den Pornos hingab, umso deprimierender sah für ihn danach der Alltag aus. Markus war mit seinem Job unzufrieden, da er stundenlang vor dem Computer sitzen musste. Mit dem Familienleben war er überfordert. Nach außen hin war er höflich und angepasst. Doch tief im Inneren war er einsam.
Mithilfe des Therapeuten richtete er sein Leben neu aus.
Er reduzierte die Arbeit und machte eine Fortbildung, um sich beruflich neu zu orientieren. Auch die Überforderung mit der Erziehung der Kinder besprach er in der Therapie. Die Sucht hatte viel Leid verursacht.
Nach dem Entzug fühlte sich Markus lebendig, entspannt und frei. Er konnte auch die Sexualität mit seiner Frau genießen.
Dazu passt dieses Zitat, das Buddha zugeschrieben wird: „Jedes Leben hat ein Maß an Leid. Manchmal bewirkt eben dieses unser Erwachen.“
Dieser Artikel erschien in der Ursache\Wirkung №. 132: „Liebe, Sex und Achtsamkeit"
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