In Early Buddhist geht Bhikkhu Anālayo der Frage nach, ob sich die Worte des Buddha zuverlässig rekonstruieren lassen, und verbindet buddhistische Tradition mit wissenschaftlicher Genauigkeit.
Rezension: Early Buddhist Oral Tradition. Textual Formation and Transmission
Tücken mündlicher Überlieferung
Über Hunderte von Jahren haben Mönche die Worte des Buddha nur mündlich überliefert, bis sie schließlich unter dem König Vaṭṭagāmaṇī Abhaya im ersten vorchristlichen Jahrhundert auf Sri Lanka erstmals schriftlich fixiert wurden. Doch inwieweit entspricht das, was im Palikanon niedergelegt ist, wirklich dem, was der Buddha einst sagte?
Bhikkhu Anālayo geht in seinem sehr lesenswerten Buch dieser Frage mit einem großen Quellenfundus nach. Dabei zeigt er, dass neben vorsätzlichen Änderungen, die er für die Ausnahme hält, es durch die Grenzen des menschlichen Memorisierungsvermögens im Lauf der Zeit zu vielen unbeabsichtigten Änderungen kam. So wurden etwa Textbausteine vermischt oder Textstellen gingen verloren.
Am Ende gelangt er zu der, in seiner Eigenschaft als Mönch unerwarteten, als Wissenschaftler jedoch unvermeidbaren Schlussfolgerung, dass die tatsächlichen Worte, die der Buddha vor zweieinhalbtausend Jahren sprach, sich heute nicht mit Sicherheit rekonstruieren lassen. Somit gibt es auch im Buddhismus kein letztes und höchstes Wort verbindlicher Wahrheit.
Rezensent: Hans-Günther Wagner
Early Buddhist Oral Tradition. Textual Formation and Transmission
Autor: Bhikkhu Anālayo
Verlag: Wisdom Publication
Seitenzahl: 406 Seiten
Preis: 36,50 €
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