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Auf mein Visionboard für 2023 habe ich einen Magazinausschnitt mit den beiden Worten „helles Köpfchen“ geklebt. Doch das hilft nicht immer, wie ich feststellen musste.

Ich bin heuer spät dran mit meinem Visionboard, denn ich war bekanntlich 9.000 Kilometer von meinem Magazinfundus entfernt. Eigentlich wollte ich es ja schon Ende Dezember anfertigen, doch da ist mir die Zeit davongelaufen – oder ich der Zeit? Kann man nicht so genau sagen. Auf jeden Fall habe ich es letzten Sonntag endlich geschafft, ein halbes Flipchart-Blatt mit Themen zu bekleben, die mir aus fünf verschiedenen Magazinen entgegengesprungen sind. Platz für ein ganzes Blatt habe ich leider nicht, weil bei aller Fülle in meinem Zuhause freier Wandraum Mangelware ist.

Da finden sich Begriffe wie „Achtsamkeit“, „Loslassen“ und eben „helles Köpfchen“. Und alle drei bergen Herausforderungen in sich, die vor allem dann schlagend werden, wenn frau es mit Ärzten oder der Schulmedizin zu tun bekommt. Ich komme ja aus einem medizinischen Haushalt, weshalb man mir auch während des Essens die unappetitlichsten Geschichten erzählen kann – mein Magen hält das ob seiner frühkindlichen Prägung locker aus. Hat seine Vorteile, wenn beispielsweise Kinder am Tisch sitzen, die glauben, sie könnten eine mit Horrorgeschichten schockieren. Da braucht man gute Nerven, und die müssen eben genährt werden. Simple as that.

Visionboard

Aufgrund dieser Vorprägung bilde ich mir ein, gewisse Zusammenhänge dann doch herleiten, auch Schlussfolgerungen nachvollziehen zu können. Doch kürzlich musste ich w. o. geben. Folgender Fall: In einem Körperteil eines Menschen mit chronisch niedrigem Blutdruck befindet sich Wasser, das dort nicht hingehört. Und dieser Mensch muss Medikamente nehmen, die diesen Blutdruck als Nebenwirkung niedrig halten. Noch zusätzlich kam die Diagnose eines schwächelnden Herzens. So weit, so unerfreulich. Der Versuch, durch zusätzliche Medikamente das Wasser aus dem Körper zu bekommen, die den Blutdruck noch weiter in den Keller rasseln haben lassen, ist gescheitert, weshalb man beschloss, das Wasser mittels Punktierung zu entfernen. Das allerdings macht nötig, dass man eine herzstärkende Infusion verabreicht, die den Blutdruck weiter senkt. Das war allerdings nicht möglich, weil der Blutdruck von Haus aus zu niedrig war, um die Infusion anzulegen. Mein technisch versierter Nachbar meinte: „Völlig logisch für mich. Wenn eine Baugrube voller Wasser ist, dann stelle ich die Pumpe auch auf eine niedrigere Frequenz, damit es möglichst langsam geht mit der Entfernung des Wassers.“ Und lächelte sarkastisch.

Mein Visionboard war insofern hilfreich, weil ich meine Achtsamkeit vollkommen auf die medizinischen Ausführungen richten musste, um die Unlogik erfassen zu können. Das Wort „Loslassen“ unterstützte mich insofern, dass ich akzeptieren musste: Dieser Mensch hat sich für die Schulmedizin als einzig möglichem Referenzrahmen entschieden und nimmt das Unlogische als gegeben hin. Da als Nicht-Betroffene Erklärungen zu fordern, wenn der Betroffene schon alles abnickt, scheint mir sinnbefreit. Und das Loslassen-Motto hat mich auch daran erinnert, dass mein „helles Köpfchen“ Lösungen ausspucken kann, die niemanden interessieren.

Auf dem Visionboard findet sich auch eine Feder, ein Weihrauchfass und das Bild eines Wasserfalls. Also werde ich mich in die Leichtigkeit ergeben und das Gewicht einfach abgeben. Manchmal kann es ziemlich entspannend sein, sich nicht zuständig fühlen zu müssen. Sich nicht das helle Köpfchen zu zermartern. Sondern einfach dem Flow zu folgen. Und zu strahlen. „Glow!“ steht nämlich auch auf dem Visionboard. Und das ist eine leichte Übung für mich.

Weitere Beiträge von Claudia Dabringer finden Sie hier.

Bilder © Pixabay

Claudia Dabringer

Claudia Dabringer

Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg mit allem, was zu einer Studentenzeit dazugehört. Mehrjährige Konzentration aufs Radiomachen, bis alles durchexerziert war und das Schreiben wieder im Kopf präsent wurde. Seitdem freie Journalistin und als Fachtrainerin & Schreibpädagogin...
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