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Wenn alles gut geht, haben wir keine Angst. Dann passt es ja, wie es ist. So lässt es sich gut und entspannt in den Tag gehen.

Interessanterweise: Wenn es schwierig ist und wir das wissen, dann haben wir kaum mehr Angst. Denn wir können uns darauf einstellen. Wir machen uns einen Plan und kriegen das hin.
Was am meisten Angst macht, ist die Unsicherheit – und damit auch das Unbekannte. Denn es führt dazu, dass wir uns auf nichts mehr einstellen können und in eine Art ständige innere Suchbewegung kommen. Aber weil die Dinge unsicher sind, kriegen wir nie etwas zu fassen.
So hört diese Suchbewegung nach etwas, an dem ich mich ausrichten kann, in der Psyche nicht auf.
Wenn diese Unsicherheit eine ganze Gesellschaft erfasst, breitet sich das Gefühl von Angst schnell aus. Es kriecht irgendwie in einen rein, denn man bekommt unbewusst mit, dass die anderen auch keine Sicherheit finden. Das vergrößert die empfundene Unsicherheit.

Was ist in diesem Augenblick?
Wenn ich mich nicht mehr daran festhalten kann, das ich weiß, was morgen sein wird, wird der jetzige Augenblick als Anker umso wichtiger.
Oft wachen wir gestresst auf, weil wir nicht wissen, was der Tag bringt. Aber wenn wir genau schauen, liegen wir gerade im Bett, sind gesund und ausgeschlafen. Es geht uns also gut. Und genau dieser Blick tut gut und entspannt.
Jetzt, wo der Virus für so viel Unsicherheit sorgt, tut es gut, sich mit dem Augenblick zu verbinden. Wie ist es „jetzt gerade“? Was kann ich „heute“ Sinnvolles tun?
Ich muss nicht unbedingt an morgen denken, denn morgen kann die Situation ganz anders sein.
Im Augenblick kann ich Sicherheit und Geborgenheit finden. Im Augenblick ist nämlich meist nichts unsicher. Auch wenn ich dazu übergehe, mir täglich nur zu überlegen, wie ich „diesen einen Tag“ gestalte, ist die Unsicherheit minimal.

Entspannen und mich beruhigen
Wenn ich mich mit dem Augenblick verbinde, in dem ich Sicherheit und Geborgenheit finden kann, dann kann sich in meinem Körper und auch in meinen Gefühlen etwas entspannen.
Die Suchbewegung hört auf. Ich komme zu mir – in der Regel in dem angenehmen Gefühl, dass bei mir in diesem Moment alles in Ordnung ist – dass ich mich darauf auch verlassen kann. Und aus dieser Perspektive komme ich mit der Unsicherheit bezüglich dessen, was morgen sein wird, viel besser zurecht.
Wie ist es im Moment – für mich? Damit kann ich im Laufe des Tages immer bewusst in Beziehung gehen.

Unsicherheit und Angst - der Virus im Kopf

Über den Körper in die Entspannung
Alles, womit ich meinen Körper entspannen kann – sei es Yoga, Meditation, eine Massage, Tai-Chi, ein heißes Bad, Feldenkrais, ein langer Spaziergang oder Ähnliches – entspannt auch immer mein emotionales System.
Gibt es viel Unsicherheit, rutscht schnell alles in den Kopf – und der überhitzt, weil er in der Unsicherheit keinen sicheren Hafen finden kann. Der sichere Hafen ist die Verbindung mit unserem Körper.
Das Schöne ist: Unser Körper ist immer im Jetzt und verbindet uns immer mit dem jetzigen Augenblick, in dem wir Sicherheit finden können. So kann ich nur empfehlen, im eigenen Körper eine Heimat zu finden.

Entspannung und Selbstheilungskräfte
Es gibt einen sehr klaren Zusammenhang zwischen Angst, Stress und Krankheit.
In der Anspannung der Angst erhöht sich der Blutdruck. Mein Herz muss mehr leisten und erschöpft sich schneller, ich bekomme oft Probleme mit dem Schlaf. Das führt dazu, dass mein Körper bis zu 70 % weniger Immunzellen bildet.
Durch die Anspannung verliere ich Energie und muss Dinge mit Kraft machen. Das führt zu Erschöpfung. Stresshormone beschleunigen die Zellteilung. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für Fehler in der Zellreproduktion. Damit kommt es vermehrt zu Krankheitssymptomen, und der Vorgang beschleunigt Alterungsprozesse.
Es gibt noch viele weitere Faktoren wie Angst und Stress, die meine Selbstheilungskräfte schwächen. Wenn ich Angst habe, kann ich sich mein Körper einfach gegen Krankheitserreger weniger gut wehren.
Gelingt es mir, mich zu entspannen und gut bei mir und im Augenblick zu sein, wirkt das optimal auf meine Selbstheilungskräfte.

Wie begegne ich Angst?
Die Haltung der Achtsamkeit ist bei Stress und Angst eindeutig. Wenn ich versuche gegen Stress und Angst anzukämpfen, werden sie mehr. Und das erzeugt gleich noch mehr Angst.
Aus der Sicht der Achtsamkeit tut es gut sich, zuzugestehen, dass es angemessen ist, Angst zu haben, wenn die Dinge unsicher sind. Das ist das Erste, was entspannt. Einfach, weil es normal ist, bei Unsicherheit Angst zu bekommen.
In der Angst entsteht oft eine Problemtrance. Ich beschäftige mich nur noch mit dem, was mir Angst macht. Das führt dann dazu, dass ich aufhöre, darauf zu schauen, was mir Sicherheit gibt.
Wenn es mir gelingt, mich mit den Ressourcen meines Körpers und des Augenblicks zu verbünden, weicht die Angst wie von allein aus meinem System und ich kann mit der weiterhin vorhandenen Unsicherheit viel besser umgehen.

Achtsames Yoga
Ich hänge an diesen Beitrag noch einmal einen Link zu angeleiteten Yoga-Übungen an. Wer Lust hat, kann diese Yoga-Übungen machen und drauf achten, was das mit der Fähigkeit macht, sich mit dem Augenblick zu verbinden und die Angst kleiner werden zu lassen.
Der Kopf darf während der Yoga Übungen in seiner Suchbewegung pausieren, denn er richtet seinen Fokus ganz auf die Körpervorgänge.

Selbstheilungskräfte
So liegt der Zugang zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte im Finden von Sicherheit und Geborgenheit in mir selbst. Wo das gelingt, geht es mit gut.

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Dirk Meints

Dirk Meints

Wie funktioniert die Psyche des Menschen? Warum sind wir wie wir sind? Wie ist Veränderung möglich? Das sind meine ganz persönlichen Lebensfragen, denen ich schon immer auf der Spur bin. Heute arbeite ich als Achtsamkeitslehrer und Psychologischer Berater in Wien. Für die Klärung mein...
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